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  Buddhismus - Einführung
 
 




Ein Buddha im Wat Phra Sri Rattana Mahathat, Phitsanulok
© werner dackweiler  2012


Buddhismus - eine Einführung



Kurze Geschichte des Buddhismus

Der erste Buddha ("Der Erwachte"), der die Lehre ("Dharma") verbreitete, war Siddhartha ("Der sein Ziel erreicht hat") Gautama, ein Königssohn, der ca. 565 v.u.Z. im heutigen Nepal geboren wurde. Obwohl man ihm das Leid der Welt ersparen wollte, indem man ihn von der Außenwelt abschottete, konnte er einmal seinen Bewachern entkommen und wurde mit dem Leid konfrontiert, das in den Straßen der Stadt, in der er lebte, die Menschen quälte. Im Alter von 29 Jahren beschloss er sein Haus und seine Frau mit dem gerade erst geborenen Sohn zu verlassen und sich verschiedenen asktetischen Lehrern anzuschliessen. Bald wurde ihm klar, daß er sein Ziel, die Befreiung vom Daseinskreislauf (samsara), nicht durch Askese erlangen könne, gab daher den asketischen Lebenswandel auf und wendete sich dem 'Mittleren Weg', d.h. der Mitte zwischen den beiden Extremen Völlerei und Askese, zu. Unter einem Bodhi-Baum sitzend erreichte er schließlich, nach langen Jahren der Übung in der Meditation, im Alter von 35 Jahren die Erleuchtung, das Erwachen (Bodhi). Ursprünglich wollte er seine Erkenntnisse anderen nicht mitteilen, da er sich bewußt war, daß man seine Erfahrung nicht mit Worten beschreiben könne. Schließlich begann er auf Bitten anderer, seine Einsichten darzulegen (er setzte das Rad des Dharma ("Lehre") in Bewegung). Er führte bis zum Ende seines Lebens ein Wander-Dasein und zog lehrend von Ort zu Ort. Es scharten sich Jünger um ihn, die wißbegierig waren, seine Lehre aufzunehmen, und sie später in die Welt trugen. Man nannte ihn auch Shakyamuni, der Weise aus dem Geschlecht der Shakyas. Da auch Buddha vor seiner Erleuchtung schon oft wiedergeboren wurde, und er jeweils einen anderen Namen trug, beschreibt sein Name Shakyamuni Buddha das Leben, in dem er erleuchtet wurde und die Lehre verbreitete.

 Shakyamuni Buddha starb im Alter von 80 Jahren an einer verdorbenen Speise.

Nach Shakyamunis Tod (ca. 480 v.u.Z.) teilte sich der Buddhismus bald in zwei grosse Schulen oder "Fahrzeuge" (für den Weg der Erlösung): Hinayana und Mahayana.



Texte auf getrockneten Palmenblätter
in Lao-Tham-Schrift

Später kam noch ein drittes Fahrzeug hinzu, das Vajrayana oder Diamand-Fahrzeug, das vom Tantrismus beeinflusst wurde und das man auch zum Mahayana zählen kann. Der tibetische Buddhismus  ("Lamaismus") beruht auf den Lehren des Vajrayana in Einbeziehung der tibetischen Ur-Religion "Bon".

Trotz der grossen Vielzahl an buddhistischen Schulen ist ihnen das Ziel aller Bemühungen gemein: Die Erfahrung des Nirvana oder Erleuchtung durch intuitive Erkenntnis der Tatsache, dass alles eins ist ("Buddha", "Buddha-Natur", "Das Absolute", "Das Eine", "Geist"). Der Term "Eingehen in das Nirvana" ist daher irreführend, denn es setzt ein Getrennt-Sein vom Absoluten voraus, das es in Wirklichkeit nicht gibt. Dieses Getrennt-Sein ist eine Täuschung, eine Illusion, denn alles ist ein Teil des Absoluten (dualistische Sichtweise), ja das Absolute selbst (nicht-dualistische Sichtweise). Es ist daher angebrachter, vom "Erfahren des Nirvana" zu sprechen. Buddha lehrte den Dharma als 'Gegenbewegung' zum Hinduismus, der einen ewigen Lebenskreislauf (samsara) postuliert, dem kein Lebewesen je entkommen könne. Buddha hat in seiner Erleuchtung erfahren, daß es einen Ausweg gibt, nämlich das Loslassen von allem, was Leiden schaft. Somit ist der Buddhismus eine (Selbst-)Erlöserreligion. Der Mensch kann sich nur selbst, durch eigene Anstrengungen aus dem Kreislauf von Werden und Vergehen befreien.

Da es im Buddhismus keinen Gott in dem Sinne eines Schöpfergottes gibt, ist es eine atheistische Religion.In diesem Zusammenhang muss darauf hingewiessen werden, dass auch Buddha kein Gott ist, sondern 'nur' der erste von vielen, die erleuchtet wurden und den Weg zur Beendigung des Leidens aufzeigte. Dadurch wurde er zum Stifter dieser 'Religion'.

Die Lehre, aus der später der Buddhismus entstehen sollte, wird Dharma (Sanskrit; Pali: Dhamma) genannt. 'Dharma' hat viele Bedeutungen, u.a. ist es auch die Bezeichnung für die letzten Bestandteile, aus denen alles Seiende zusammengesetzt ist, die unbelebt und nicht dauerhaft sind (cf Demokrits 'Atome', die jedoch dauerhaft sind). Dharma mit der Bedeutung "Lehre" bezeichnet vieles, die wichtigsten Inhalte fasse ich nachfolgend kurz zusammen.


Buddha im Wat Sri Chum, Sukhothai
© werner dackweiler 2012

Dharma - Die Lehre des Buddhismus

Die Vier Edlen Wahrheiten - Das buddhistische Glaubensbekenntnis

1.      die Wahrheit vom Leiden (Duhkha)

Zu Leben bedeutet zu leiden; wollen, was man nicht bekommen kann; bekommen, was man nicht will;
die fünf Gruppen des Anhaftens (Skandha)
Leiden (Duhkha) entsteht aus: Gier (Trishna), Begehren/Hass und Verblendung bzw. Unkenntnis.

2.      die Wahrheit von der Entstehung (Samudaya) des Leidens

Ursache des Leidens ist Begehren und Unwissen (der Vier Wahrheiten).

3.      die Wahrheit von der Aufhebung (Nirodha) des Leidens

Sobald man nicht mehr begehrt/anhaftet, gibt es kein Leid mehr.

4.      die Wahrheit vom Weg, der zur Aufhebung des Leidens führt

Das Mittel zur Befreiung vom Leiden ist der Achtfache Pfad oder Weg.

Nicht-Kenntnis der Vier Wahrheiten ist Nicht-Wissen (Avidya).

Der Achtfache Weg

1.      vollkommene Erkenntnis der Vier Wahrheiten

2.      vollkommener Entschluß zu Entsagung, Wohlwollen und Nicht-Schädigung von Lebewesen

3.      vollkommene Rede

4.      vollkommenes Handeln

5.      vollkommener Lebenserwerb

6.      vollkommene Anstrengung, dh. Fördern von karmisch Heilsamen und Vermeiden von Unheilsamen

7.      vollkommene Achtsamkeit, dh beständige Achtsamkeit auf Körper, Gefühle, Denken und Denkobjekte (Satipatthana)

8.      vollkommene Sammlung des Geistes durch Meditation

(anstelle von 'vollkommen' wird oft auch 'recht' verwendet)



Bedingtes Entstehen und Vergehen

Die zwölf Glieder des bedingten Entstehens (Nidana)

1.     1.  aus Unwissenheit (der Vier Wahrheiten) als Ursache entstehen die Gestaltungen -- Avidya

2.    2.  aus den Gestaltungen als Ursache entsteht das Bewußtsein -- Samskara

3.    3. aus dem Bewußtsein als Ursache entstehen Geist und Körper -- Vijnana

4.    4.  aus Geist und Körper entstehen die sechs Sinnesbereiche -- Namarupa

5.     5.  aus den sechs Sinnesbereichen als Ursache entsteht die Berührung -- Shadayatana

6.      6. aus der Berührung als Ursache entsteht die Empfindung -- Sparsha


7.      aus der Empfindung als Ursache entsteht der Durst -- Vedana

     8.      aus dem Durst (Gier) als Ursache entsteht das Anhaften -- Trishna

     9.      aus dem Anhaften als Ursache entsteht das Werden -- Upadana

    10.    aus dem (karmischen) Werden als Ursache entsteht die Geburt -- Bhava

    11.    aus der Geburt (Jati) als Ursache entstehen Alter und Tod (Jara), Schmerz, Kummer, Leid, Betrübnis und Verzweiflung.

    12.    Auf solche Art kommt der Ursprung der ganzen Masse des Leidens zustande.

(aus S XII,2)

Wiedergeburt

Buddha vertrat, wie die Brahmanen des Hinduismus, die Wiedergeburtslehre, dh. die "karmische Tatvergeltung" (Karma ist das Gesetz von Ursache und Wirkung).

Allerdings zeigt uns der Buddha einen Ausweg aus dem Lebenskreislauf (samsara) ->1.

Übrigens ist Wiedergeburt nicht zu verwechseln mit Reinkarnation, denn letzteres setzt eine ewige Seele oder ein ewiges Selbst voraus, deren Existenz Buddha jedoch verneinte. Der Buddhismus geht davon aus, dass kein Selbst wiedergeboren wird (was dann ja Reinkarnation bedeutet), sondern vielmehr Tendenzen zum Werden, die man praktisch 'anhäuft'. (cf Punkt 3 das bedingte Entstehen)

Erlösung

Wer die Vier Edlen Wahrheiten erkannt hat und den Achtfachen Weg gegangen ist, der wird erleuchtet und gelangt zur Erlösung. Er 'geht ein' in das Nirvana (etwa: "Verwehen", oder: "der Zustand einer Flamme, wenn sie verloschen ist" [aus: "Kl. Weltgesch. d. Philos." von H. J. Störig]), d.h. sein Durst nach Leben, aber auch nach Tod, verlischt. Es gibt zwei Arten von Nirvana: Das eine erfährt der Erleuchtete während seines Lebens, das andere danach.

Die Leere

Die Leere (shunyata) ist ein zentraler Begriff im Buddhismus. Er besagt, daß alle zusammengesetzten Dinge leer, unbeständig, nicht-wesenhaft und leidvoll sind). Außerdem existieren alle Dinge nur im Wechselspiel mit all den anderen Dingen (=> Jeder/jedes ist ein Teil des Ganzen und das Ganze selbst). Jeder Wirkung geht eine Ursache voraus. Im Hinayana (kleines Fahrzeug) wird die Leere nur auf die >Person< bezogen; im Mahayana (großes Fahrzeug) wird sie dagegen auf alle Dinge angewandt. Erst die Leere erlaubt die Entwicklung der Dinge. Leerheit bedeutet nicht, daß die Dinge nicht existieren, vielmehr stellen sie nichts als Erscheinungen (des Absoluten) dar.

(Teile frei übernommen aus: F-K Ehrhard, I. Fischer-Schreiber: "Das Lexikon des Buddhismus". Goldmann Verlag, 1995)




Ein Buddha im Wat Phra Sri Rattana Mahathat, Phitsanulok
© werner dackweiler  2012



Buddhismus und Gott

Aus dem Gesetz von Ursache und Wirkung ergibt sich auch, dass es nach buddhistischer Auffassung keinen Schöpergott geben kann, da dieser von Anfang an hätte existieren müssen, ohne dass ihm eine Ursache voraus gegangen wäre. Ausserdem ist der (christl.) Gott von seiner Schöpfung durch die Anhängung des Attributs 'gut' getrennt. Der Begriff 'Gott' ist also einschränkend, denn durch die festlegung auf 'gut' wird gleichzeitig das Böse (= 'nicht gut') ausgeschlossen (cf auch: Theodizee-Frage). Dieses Getrennt-Sein wiederspricht der Einheit allen Seins bzw. der Nicht-Dualität.

Daher wird der Begriff 'Gott' von Buddhisten nicht gerne verwendet. Lieber benutzen sie die Begriffe "Das Eine", "Das Absolute" oder "Buddha" ("Buddha" beschreibt nämlich nicht nur eine/viele historische Person(en), sondern auch das "Absolute"), denn in diesen Begriffen wird die Allumfassenheit am besten ausgedrückt.

Es gibt im Buddhismus jedoch eine Vielzahl von Göttern, die praktisch eine Stufe über uns stehen, weil ihr Leben sehr angenehm ist. Da es aber eben so angenehm ist, streben sie nicht danach Erleuchtung zu finden. Das macht sie dem Menschen unterlegen, denn nur ein Mensch wird nach Erleuchtung streben, bedingt durch das Leiden, das in der menschlichen Welt existiert. Im Sinne des Buddhismus ist es also besser, als Mensch wiedergeboren zu werden und Erleuchtung zu suchen, denn als einer der vielen Götter.

Die Drei Kostbarkeiten

Buddha

der Erleuchtete

Dharma

die Lehre

Sangha

die Glaubensgemeinschaft

Die fünf Gebote des Buddhismus

1.      Töte kein Lebewesen

2.      Nimm nicht, was dir nicht gegeben

3.      Sprich nicht die Unwahrheit

4.      Trinke keine berauschenden Getränke

5.      Sei nicht unkeusch

cf: Hans Joachim Störig, Weltgeschichte der Philosophie. S.59f

Buddha im Wat Khao Kradong, Buriram
© werner dackweiler 2010


 

Was ist der Unterschied zwischen Theravada und Mahayana?

Theravada

Theravada ist die einzige Form des Hinayana, die heute noch existiert. Hinayana bedeutet übersetzt 'Kleines Fahrzeug' und ist eigentlich eine degradierende Bezeichnung dieses Weges durch die Mahayanisten. Theravada heisst 'Weg der Alten' und man könnte es als Ur-Buddhismus bezeichnen, da sich der Theravada-Buddhismus auf Texte bezieht, die sehr alt und direkt von Buddha überliefert sind. Sie sind im Pali/Kanon zusammengefasst. Aus diesem Grund erkennt das Hinayana das Mahayana nicht als orthodox an, da das Mahayana auch Texte einschliesst, die nicht dieser direkten und ursprünglichen schriftlichen Übertragung angehören. Das Ideal des Theravada ist der Arhat, der Erwachte, der nach seinem Tod in das Nirvana eintritt. Erwachen kann laut Theravada nur ein Mönch, der seinen ganzen Lebensablauf auf das Erlangen dieses Ziels ausrichtet. Der Theravada ist hauptsächlich in Südostasien verbreitet: Sri Lanka, Burma, Thailand, Laos und Kambodscha.

Mahayana

Mahayana bedeutet übersetzt 'Grosses Fahrzeug' und unterscheidet sich vom Theravada durch den Wunsch, alle Lebewesen zu erlösen, wohingegen der Theravada nur seine eigene Erlösung anstrebt. Die Grundlage des Mahayana ist das Mitgefühl. Das Ideal der Mahayana ist daher der Bodhisattva, das Erleuchtungswesen, das aus Mitgefühl auf sein Erlöschen im Nirvana verzichtet und solange den Lebenskreislauf des samsara nicht verlässt, bis alle Lebewesen erlöst sind ("Bodhisattva-Gelübde").

Im Mahayana können auch Laien das Nirvana verwirklichen.

Der Haupt-Prang im Wat Phra Sri Rattana Mahathat, Phitsanulok
© werner dackweiler  2012

 

 

Buddhisten in der Welt

Da der Buddhismus eine sehr weltoffene und tolerante Religion ist, schliesst seine Lehre eine Zugehörigkeit zu einer weiteren Religion nicht aus. Daher kann man die Zahl der Buddhisten nicht genau ermitteln. Schätzungsweise gibt es jedoch zwischen 150 und 500 Millionen Buddhisten auf dieser Erde.

Anteil der Buddhisten an der Bevölkerung in Prozent

Afrika


0,05%

Australien


0,09%

Bhutan


72%

Burma


87%

Nordamerika


1,3%

China


9%




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© werner dackweiler

 

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© werner dackweiler

 

 
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